Schweizer Rechtsgutachten entzieht 5G-Antennen die Legitimation

Bis zur letzten Antenne!
Veröffentlicht am in 5G , Medienmitteilungen

Zürich, 10. Juli 2019 Um die 5G-Tech­no­lo­gie in der Schweiz ein­füh­ren zu kön­nen, müss­ten die soge­nann­ten adap­ti­ven 5G-Anten­nen pri­vi­le­giert wer­den. Ein Rechts­gut­ach­ten der renom­mier­ten Aar­gau­er Kanz­lei Pfis­te­rer Fretz hat erge­ben, dass die­se Pri­vi­le­gie­rung recht­lich nicht zuläs­sig ist, weil damit der Gesund­heits­schutz aus­ge­höhlt wür­de. Der Kan­ton Zug hat des­we­gen bereits lau­fen­de Bewil­li­gungs­ver­fah­ren sis­tiert.

Ein neu­es Rechts­gut­ach­ten der Kanz­lei Pfis­te­rer Fretz aus Aar­au hat erge­ben, dass die Strah­len- und Gesund­heits­be­las­tung des neu­en 5G-Net­zes mit adap­ti­ven Anten­nen nicht abschätz­bar ist. «Gera­de für das beab­sich­tig­te flä­chen­de­cken­de Netz von adap­ti­ven Anten­nen lie­gen kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Bele­ge dafür vor, dass das Vor­sor­ge­prin­zip mit der Pri­vi­le­gie­rung von Anhang 1 Ziff.63 der NISV [Ver­ord­nung über den Schutz vor nich­tio­ni­sie­ren­der Strah­lung] noch ein­ge­hal­ten wer­den kann.», schreibt die Kanz­lei in ihrem Gut­ach­ten. Dar­in hält sie wei­ter fest, dass kei­ne Infor­ma­tio­nen bestehen, wie Strah­lungs­wer­te pro­gnos­ti­ziert und gemes­sen wer­den sol­len und ob 5G die Strah­len­grenz­wer­te ein­hal­ten kann. Der Grund dafür liegt in der neu­en Tech­no­lo­gie sel­ber: 5G ver­wen­det soge­nann­te «adap­ti­ve Anten­nen», also Anten­nen, wel­che gezielt die Nut­zer – und zwi­schen Anten­ne und Emp­fangs­ge­rät befind­li­che Per­so­nen – mit maxi­ma­ler Leis­tung bestrah­len. Die­se adap­ti­ven Anten­nen sol­len gemäss NISV nun viel lascher als her­kömm­li­che Anten­nen behan­delt wer­den. Das ist gemäss Gut­ach­ten unzu­läs­sig, weil damit mög­li­cher­wei­se erheb­li­che Gesund­heits­schä­den für alle in Kauf genom­men wer­den.

Die Ziff. 63 des Anhangs 1 der NISV stellt eine Pri­vi­le­gie­rung von adap­ti­ven Anten­nen dar. Im Klar­text heisst das: Eine adap­ti­ve Sen­de­an­la­ge darf regel­mäs­sig viel stär­ker strah­len als auf dem tech­ni­schen Daten­blatt ange­ge­ben ist. Damit darf sie die Grenz­wer­te regel­mäs­sig stark über­schrei­ten, solan­ge die Anten­ne die­se im Durch­schnitt ein­hält. Dies ist eine Pri­vi­le­gie­rung gegen­über her­kömm­li­chen Mobil­funk­an­ten­nen. Im Gut­ach­ten ist wei­ter zu lesen: «Indem die neue Ziff. 63 für adap­ti­ve Sen­de­an­ten­nen eine Son­der­re­ge­lung ein­ge­führt hat und die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung des Grund­sat­zes auf Stu­fe Voll­zugs­hil­fe dele­giert, kann zum heu­ti­gen Zeit­punkt eine Umge­hung der Grenz­wer­te und damit schä­di­gen­de Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Umwelt nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.» Die Bestim­mun­gen in der NISV, auf wel­che sich der Aus­bau der 5G-Tech­no­lo­gie stützt, sind rechts­wid­rig und die Pri­vi­le­gie­rung der adap­ti­ven Anten­nen dürf­te vor dem Bun­des­ge­richt nicht stand­hal­ten. Die Pri­vi­le­gie­rung von adap­ti­ven Anten­nen ist das­sel­be, wie wenn man für ein­zel­ne neue Last­wa­gen höhe­re Lärm­grenz­wer­te defi­nie­ren wür­de als für die bereits zuge­las­se­nen.

Wir erwarten eine Sistierung aller 5G-Baubewilligungsverfahren.

Der Wider­stand in der Bevöl­ke­rung nimmt stark zu. Von über hun­dert 5G-Bau­ge­su­chen in der Schweiz, wel­che uns in den letz­ten drei Mona­ten erreicht haben, wer­den knapp neun­zig mit Ein­spra­chen blo­ckiert. Die Schwei­zer Ver­ei­ni­gun­gen zum Schutz vor Mobil­funk­strah­lung set­zen sich dafür ein, dass alle Bau­ge­su­che von 5G-Anten­nen mit Ein­spra­chen blo­ckiert und vor Gericht ange­foch­ten wer­den, bis sich eine Rechts­pra­xis durch­setzt, wel­che dem Gesund­heits­schutz und dem Vor­sor­ge­prin­zip Rech­nung trägt. Bei den bereits bestehen­den 5G-Anten­nen wird mit juris­ti­schen Mit­teln dafür gekämpft wer­den, dass ihnen die Betriebs­be­wil­li­gun­gen ent­zo­gen wer­den.